Klima wandelt Wild und Reviere

Wetterextreme verändern Lebensräume: Wildtiere stehen vor neuen Herausforderungen. Jagd, Land- und Forstwirtschaft setzen unterstützende Maßnahmen. Auch Freizeitnutzer gefordert.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst in den heimischen Revieren spürbar. Höhere Durchschnittstemperaturen, häufigere Hitzeperioden, längere Trockenphasen und veränderte Niederschlagsmuster verändern Wälder, Wiesen und Feuchtgebiete teils massiv. Darauf macht der NÖ Jagdverband aufmerksam. Diese Entwicklungen wirken sich auf die Lebensbedingungen heimischer Wildtiere aus und stellen das Wildtiermanagement vor neue Aufgaben, so Landesjägermeister Christoph Metzker: „Wildtiere reagieren besonders sensibel auf Veränderungen ihrer Umwelt. Sie müssen ihre Aktivitätszeiten anpassen, finden mancherorts weniger Nahrung oder Wasser vor und sind auf geeignete Rückzugsräume angewiesen. Der Erhalt vielfältiger und intakter Lebensräume ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben für den Natur- und Wildtierschutz.“
Klimawandel verändert das Verhalten vieler Wildarten
Die Veränderungen betreffen nahezu alle heimischen Wildarten. Höhere Temperaturen führen dazu, dass sich Vegetationsperioden verschieben, die Baumgrenze sowie auch die Flora nach oben wandern und Pflanzen früher austreiben oder vertrocknen. Dadurch verändert sich das Nahrungsangebot für Pflanzenfresser und zahlreiche Insektenarten, wovon in der Folge das junge Federwild betroffen ist. Gleichzeitig verschieben sich Aktivitätsmuster vieler Wildtiere. Während der heißen Sommermonate werden die kühleren Morgen- und Abendstunden verstärkt genutzt, die Tagesstunden verbringen viele Arten möglichst regungslos in schattigen und deckungsreichen Bereichen. Arten mit hohen Ansprüchen an ihren Lebensraum oder bestimmte klimatische Bedingungen geraten jedoch zunehmend unter Druck, auch, weil andere Arten von den sich verändernden Bedingungen profitieren und sich ausbreiten. Diese Entwicklungen verändern langfristig das ökologische Gleichgewicht innerhalb unserer Lebensräume.
Jagd setzt Maßnahmen
Für Jägerinnen und Jäger bedeutet diese Entwicklung, dass die nachhaltige Bewirtschaftung von Wildbeständen immer stärker mit aktivem Lebensraummanagement verbunden ist. Die Jagd erfüllt dabei weit mehr Aufgaben als die Regulierung von Wildbeständen. Sie trägt wesentlich dazu bei, Lebensräume zu erhalten, aufzuwerten und an die klimatischen Bedingungen anzupassen. Ziel ist es, Wildtieren ausreichend Nahrung, Deckung und Ruhezonen zur Verfügung zu stellen und ihre Lebensräume widerstandsfähiger gegenüber den Folgen extremer Wetterereignisse zu machen.
Gemeinsam mit Grundeigentümern, Land- und Forstwirtschaft werden Hecken und Feldgehölze erhalten oder neu angelegt, Wildäsungsflächen geschaffen, Brachen gepflegt sowie Rückzugsräume für zahlreiche Tierarten gesichert. Solche Maßnahmen verbessern die Lebensbedingungen für Reh, Hase, Fasan oder Rotwild. Zahlreiche Vogelarten, Insekten und Amphibien profitieren von diesen strukturreichen Landschaften und einer höheren Lebensraumvielfalt. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels gewinnt dieses Engagement für Artenvielfalt zunehmend an Bedeutung.
Wasser wird zum Schlüsselfaktor
Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels beim Thema Wasser. Längere Trockenphasen führen dazu, dass natürliche Wasserstellen zeitweise versiegen und Wildtiere größere Strecken zurücklegen müssen, um ihren Wasserbedarf zu decken. Dieser zusätzliche Energieaufwand belastet die Tiere gerade in Hitzeperioden erheblich. Deshalb errichten Jägerinnen und Jäger vielerorts künstliche Wasserstellen oder verbessern bestehende Tränken. Auch Vögel, Kleinsäuger, Amphibien und zahlreiche Insekten profitieren von diesen Angeboten. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung ganzer Lebensgemeinschaften und erhöhen die Widerstandsfähigkeit der Lebensräume gegenüber klimatischen Veränderungen.
Wild braucht Ruhe
Neben der Lebensraumgestaltung spielt auch das Verhalten des Menschen in der Natur eine immer wichtigere Rolle. Gerade an heißen Sommertagen ziehen sich Reh-, Rot- und Gamswild in schattige Waldbereiche zurück, um Energie zu sparen und Hitzestress zu vermeiden. Werden diese Ruhezonen wiederholt gestört, flüchten die Tiere, verbrauchen wertvolle Energiereserven und verlieren häufig jene Einstände, die ihnen Schutz vor Hitze bieten. Der NÖ Jagdverband appelliert deshalb an alle Naturnutzer, auf die Bedürfnisse der heimischen Tierwelt Rücksicht zu nehmen und Regeln für ein wildgerechtes Verhalten einzuhalten:
- auf markierten Wegen bleiben
- Hunde an die Leine nehmen
- Dämmerungs- und Nachtzeiten respektieren
- Lärm vermeiden
- Rückzugsräume des Wildes nicht betreten
Bereits diese einfachen Maßnahmen tragen wesentlich dazu bei, den Stress für Wildtiere zu reduzieren und ihnen die dringend benötigten Ruhezonen zu erhalten.