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Achtung Wildwechsel!

22. Oktober 2026

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KFV, Polizei, NÖ Jagdverband und ÖAMTC warnen vor erhöhter Wildunfallgefahr.

Fast täglich wird in Österreich eine Person auf Österreichs Straßen durch einen Wildunfall verletzt. Besonders an trüben Herbsttagen ist hier Vorsicht geboten und ein an die Witterungen angepasstes Tempo notwendig, warnen GEMEINSAM.SICHER, der ÖAMTC, der NÖ Jagdverband und das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). 38 Prozent aller Wildunfälle ereignen sich dabei aufgrund von nichtangepasster Geschwindigkeit und 54 Prozent aufgrund von Unachtsamkeit und Ablenkung.

322 Personen sind im Jahr 2025 bei Wildunfällen verletzt worden, zeigt die aktuelle Unfallstatistik der Statistik Austria. Todesfälle gab es im Jahr 2025 keine, aber immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, wie auch kürzlich: Ein Radfahrer aus Salzburg ist nach einer Kollision mit einem Wildtier nahe der österreichischen Grenze verstorben. Beim Versuch einem Reh auszuweichen, stürzte eine Lenkerin in Tirol 25 Meter im Wald ab, überschlug sich mehrfach und wurde dabei verletzt. In Niederösterreich stürzte ein Motorradfahrer, nachdem er wegen eines überquerenden Rehs eine Vollbremsung einleiten musste.

Wildunfälle häufig bei Dunkelheit und Dämmerung

Die meisten Wildunfälle ereignen sich bei Dunkelheit (rund 47 %) und bei Dämmerung (10 %). Mit Wildwechsel zu rechnen, ist aber zu jeder Tageszeit geboten, betonen die Expert*innen. 65.036 Wildtiere wurden bei Wildunfällen in Österreich laut der aktuellen Fallwildstatistik als im Straßenverkehr getötet gemeldet (Saison 2025/2026[1]), am häufigsten betroffen sind Rehwild (38.139), Hasen (15.417) und Fasane (4.142). Zudem ist jedoch mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen, da fälschlicherweise nicht immer die Polizei und Jägerschaft zu einem Wildunfall hinzugezogen werden.

„Wildtiere wechseln im Herbst von den Sommer- in die Wintereinstände sowie in der Dämmerung aus den Einständen zum Äsen auf die Felder. Dabei queren sie häufig Straßen. Durch das Zurückstellen der Uhren am 25. Oktober steigt das Wildunfallrisiko in der Abenddämmerung weiter an, denn das Wild muss sich erst an das veränderte Verhalten der Menschen anpassen. Hinzu kommt, dass Wild Geschwindigkeiten von Autos nur schwer einschätzen kann, es aufgrund der Lichtverhältnisse in der Dämmerung schlecht erkennbar ist und durch das herbstliche Wetter und Laub die Fahrbahnen rutschiger werden. Autofahrer sollten daher das Tempo anpassen und die Straßenränder beobachten, um frühzeitig querendes Wild erkennen zu können“, erklärt Niederösterreichs Landesjägermeister DI Christoph Metzker. Zur Wildunfall-Prävention hat der NÖ Jagdverband bereits 2008 gemeinsam mit dem Land Niederösterreich das Projekt „Wildtiere & Verkehr“ initiiert. Zudem werden jagdwirtschaftliche und wildökologische sowie Sensibilisierungsmaßnahmen im TV gesetzt.

Kfz-Lenkende passen Geschwindigkeit nach „Achtung Wildwechsel“-Schilder nicht an

In einer aktuellen Erhebung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) wurde an verschiedenen Stellen in Österreich untersucht, ob sich die Geschwindigkeit der Kfz-Lenkenden verändert, wenn sie ein „Achtung Wildwechsel“-Schild passieren. Diese Schilder werden an Streckenabschnitten platziert, an denen Jäger und Gemeinden von häufigem Wildwechsel berichten oder auch bereits Wildunfälle vorgefallen sind. „Im Rahmen der Untersuchung wurde die Geschwindigkeit von 677.000 Kfz etwa 100 Meter vor und nach einem „Achtung Wildwechsel“-Schild gemessen. Wir mussten feststellen, dass die Fahrzeuglenkenden ihre Geschwindigkeit nicht reduzieren. In manchen Fällen beschleunigten die beobachteten Kfz nach Passieren der Warnschilder sogar. Diese Verkehrsschilder sind nicht ohne Grund dort angebracht. Sie wurden auch zur Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden aufgestellt, wo mit häufigem Wildwechsel zu rechnen ist“, erklärt Dr. Johanna Trauner-Karner, Geschäftsführerin des KFV.

Richtig bremsen und sicher reagieren

Bei einer Kollision mit einem Hirsch oder Reh ist die Gefahr besonders groß, dass dabei auch Personen zu Schaden kommen. „Sobald ein Tier vor dem Fahrzeug auftaucht, sollte man das Lenkrad festhalten, stark abbremsen, abblenden und gegebenenfalls mehrmals hupen, um das Wild aufzuschrecken und zur Flucht zu bewegen. Ein Ausweichmanöver sollte nur dann eingeleitet werden, wenn dadurch weder andere Verkehrsteilnehmer noch die eigene Sicherheit gefährdet werden“, so Roland Frisch, Pkw-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik. Weiters sind Wildtiere wie Reh- und Schwarzwild oft im Rudel unterwegs, weshalb man gleich mit mehreren Tieren rechnen muss, die zudem bei Wechsel des Untergrunds – etwa dem Betreten der Straße – oder dem Blenden mit Scheinwerfern zunächst instinktiv stehen bleiben.

Bei Wildunfall immer die Polizei verständigen

Falls es trotz aller Vorsichtmaßnahmen zu einem Unfall mit einem Wildtier kommt, sollte man das Fahrzeug möglichst abseits der Fahrbahn abstellen und die Warnblinkanlage einschalten. Für bessere Sichtbarkeit sollte eine Warnweste übergezogen und das Pannendreieck aufgestellt werden. Wurden Personen verletzt, sollte die Rettungskette in Gang gesetzt und Erste Hilfe geleistet werden. Das verletzte Tier sollte nicht berührt oder bewegt werden. Hier sollte rasch über die Polizei Kontakt zur Jägerschaft hergestellt werden, die sich um das Tier kümmert: „Melden Sie Wildunfälle in jedem Fall der Polizei – nämlich auch dann, wenn keine Personen verletzt wurden und das angefahrene Wild flüchtig ist. Wenn Sie im Fall des Falles Polizei und Rettung verständigen, ist viel geholfen und Sie haben möglicherweise auch Leben gerettet“, erklärt Bundespolizeidirektor und Initiativenleiter von GEMEINSAM.SICHER, Michael Takacs. Fahrerflucht von der Wildunfallstelle kann zudem rechtliche und versicherungstechnische Fragen nach sich ziehen.

Tipps, um Wildunfälle zu verhindern

  • Beachten Sie, dass Wildtiere oft im Verband unterwegs sind. Rechnen Sie mit weiteren Wildtieren in der Nähe, wenn Sie ein Tier sehen.
  • Beachten Sie, dass Tiere von beiden Straßenseiten queren können. Die meisten Autofahrenden erwarten die Wildtiere unbewusst vom rechten Straßenrand kommend.
  • Passen Sie Ihr Fahrverhalten den Bedingungen und Sichtweiten an. Seien Sie bei Dunkelheit und Dämmerung besonders aufmerksam und bremsbereit unterwegs.
  • Berühren Sie ein verletztes Wildtier nicht. Rufen Sie die Polizei; diese stellt den Kontakt zur Jägerschaft her, die sich um die Versorgung des Tieres kümmert.
  • Bleiben Sie als Freizeitnutzer*in, z.B. beim Skitourengehen, Wandern oder Mountainbiken, auf den Waldwegen und anderen vorgesehenen Routen. Werden Wildtiere gestört, setzen Sie zur Flucht an.
  • Lassen Sie Hunde nicht freilaufen, wenn Sie im Wald unterwegs sind.

[1] Das jeweilige „Jagdjahr“ ist regional unterschiedlich. Im Burgenland, in Kärnten, Niederösterreich, Salzburg und Wien entspricht es dem Kalenderjahr und in den übrigen vier Bundesländern währt es vom 1. April bis zum 31. März.